Rübezahl, der Herrscher der Berge

Die Gestalt des „Berggeistes“ kennt man aus Gute-Nacht-Geschichten, Büchern und Filmen für Erwachsene und Kinder.

Aber wer oder was ist er eigentlich?

Rübezahl

Er ist Herrscher, Beschützer, aber auch Dämon und mystischer Geist. Er wacht über die Gebirgslandschaft und schützt deren Natur, Einwohner und Besucher. Aber diejenigen, welche die Berge mit unlauteren Absichten besuchen, lässt er nicht aus den Augen.

Woher kommt der Rübezahl und wann war das?

Man nimmt man, dass der Rübezahl erstmals im 15. Jh. im Volksmund auftauchte.  Der „Herrscher der Berge“ entsprang offensichtlich der menschlichen Fantasie. Sie formten die charakteristischen Züge der rauen Gebirgslandschaft zur mystischen Gestalt, die im Laufe der Zeit immer neue Formen annahm.

Die erste dokumentierte Erwähnung und erste Darstellung stammt aus dem Jahre 1561, als der Breslauer  Kartograf Martin Helwig die Landkarte Schlesiens herausgab.  In diese Karte komponierte er den Rübezahl als deren einzigen Bewohner ein. Und zwar in Gestalt eines heraldischen Wesens mit Adlerkopf, Bockbeinen, Hirschgeweih, Löwenrumpf, stark gespaltenem Schwanz und langem Bergstock.

Wie wurde er Laufe der Jahrhunderte genannt?

Verschiedenste literarische Quellen erwähnen ihn als „Herrn Johannes“ oder Rzepiór bzw.  „Herr Jan“, später unklar als Rübezahl und dessen Varianten Rubical, Ribenzall, Rýbrcoul, Liczyrzepa – sämtlich in der Bedeutung von „Rüben zählen“.

Warum gerade „Rübezahl“? Wohl nach einer der vielen, mit ihm verbundenen Legenden:

In tiefer Vergangenheit betrat der Herr der Berge wieder einmal die Erde, um die hier lebenden Wesen in Augenschein zu nehmen. Dabei verliebte er sich tief und unglücklich in eine schöne Prinzessin. Gewohnt, sich alles zu nehmen, wonach es ihm gelüstete, entführte er die Prinzessin in sein herrliches unterirdisches Reich. Aber die Prinzessin vermisste ihre Gespielinnen und so wurde sie schwermütig. Um sie aufzuheitern, gab ihr der Herr der Berge einen Zauberstab und ein Feld voller Rüben. Mithilfe des Zauberstabes konnte die Prinzessin nun die Rüben in ihre Lieben verwandeln. Dennoch sehnte sich sich nach der Freiheit, vor allem aber nach dem jungen Fürsten, in den sie sich verliebt hatte. Und so schmiedete sie einen Plan. Zum Schein versprach sie dem Herrn der Berge, seine Frau zu werden. Dabei bat sie ihn, zum Beweis seiner Liebe alle Rüben zu zählen, da sie diese in Hochzeitsgäste zu verwandeln gedenke. So sehr sich der Herr der Berge auch bemühte – ein ums andere Mal verzählte er sich…und musste wieder vorn vorn beginnen. Unterdessen verwandelte die Prinzessin eine Rübe in ein feuriges Ross, auf seinem Rücken floh sie über die Grenze der Herrschaft des Berggeistes. So fanden Prinzessin und Fürst endlich zusammen und dem „Rübenzähler“ blieb für immer der Spottname Rübezahl, Rýbrcoul bzw. Liczyrzepa.

Wie erscheint er den Menschen?

Früher nahm er  verschiedenste Gestalt an – als Mensch, Tier, ja sogar als Gespenst. Eben noch ein kleiner Wicht, verwandelte er sich im Nu in einen Furcht einflößenden Riesen oder umherirrenden Esel. Der Böhmische (tschechische) Rübezahl hat da viel menschlichere Züge. Heute kennt man ihn vor allem als hoch gewachsenen Mann in langem Jägerrock, mit mächtigem Vollbart, breitkrempigem Hut mit Eichelhäherfeder und knorrigem Stock in der Hand.

Gutmütig oder bösartig?

Nun, der Rübezahl war früher beileibe kein gutmütiger Geselle.   Der im Riesengebirge und dessen Vorland wurde er mundartlich Riewazoul, bzw. vertschechischt Rýbrcoul genannt, dieser hatte historisch gesehen jedoch völlig andere Charaktereigenschaften. Er geriet schnell in Wallung und wusste auch hart zu bestrafen. Er war jähzornig und launisch, er spielte den Menschen arge Streiche, bestrafte sie ungerechterweise, ja brachte sie gar mitunter ums
Leben.

Heute gibt er sich dahingegen äußerst gutmütig, ja leutselig.  Heute ist er Beschützer der Guten und Armen und Feind der Habgierigen und Gauner.  Er ergreift Partei für die Benachteiligten und verhilft ihnen zu Gerechtigkeit, zudem verscheucht er auch böse Krankheiten. 

Dokumente „Seiner Majestät“

Anno 1618 schildert der helvetische Priester Havel Želanský aus Prag in seiner Abhandlung „Über böse Engel und Teufel“ den „Rubical“als Mönch, der sich leutselig zu den Bergwanderern gesellt und ihnen selbstlos anbietet, sie zu begleiten und ihnen den Weg durch die Berge zu weisen.“Mit diesem ersten schriftlichen Bericht, wie die Schriftstellerin Marie Kubátová in ihrem Buch „Tucet Krakonošových pobočníků“ (Der Rübezahl und sein Dutzend Gehilfen) feststellt, gelang „Ihrer Exzellenz“ (sprich dem Rübezahl) der Sprung von der volkstümlichen Überlieferung zum geschriebenen Wort, also aus der Mythologie zur Geschichte.

In ihrem Buch erwähnt M. Kubátová weitere Beispiele der Erwähnung des Rübezahl, beispielsweise aus dem Werk von J. P. Praetorius "Daemonologia Rubinzalii Silezii" aus dem Jahre 1662. Konkret führt Marie Kubátová an: „Der Brandenburger Meister und Dichter, Leiter des Katheders für Handleserei an der Leipziger Universität, verfasste drei Bände über seine Streiche und so gelangte der Rübezahl ins Bewusstsein der gebildeten Welt. Er wird Rubinzal, aber auch  Herr Johannes, Verwalter des Riesengebirges genannt, so zu lesen im Kupferstich auf der Titelseite des Büchleins.“  Über den Rübezahl schreibt beispielsweise auch J. K. Musaus 1782 in seinem Werk „Volksmärchen der Deutschen“.   Im patriotischen Verlag wiederum Václav Matěj Kramerius anno 1804 unter dem Titel über den „Rybrcol im Riesengebirge“ oder Der verwünschte und befreite Prinz – Altböhmischer  Gedanke. 1837 Josef Jungmann im III. Teil seines Nachschlagewerkes „Slovník jazyka českého“ und beispielsweise V. K. Klicpera im bereits erwähnten „Krkonošské kleči“ (Riesengebirgs-Latschengebüsch ) aus dem Jahre 1824, aber auch in den weiteren Teilen „Ženský boj“ (Der Weiberkrieg) aus dem Jahre 1827 oder „Česká Meluzína“ (Böhmische Windsbraut) aus dem Jahre 1847. Nicht nachstehen wollten auch J. Kollár in seinem Werk „Slávy dcera“(Tochter der Slava) aus dem Jahre 1832 bzw. K. H. Mácha in  seinem Werk „Předlka“ aus dem Jahre 1833. 

Wo ist er anzutreffen?

Im Riesengebirge sage und schreibe auf Schritt und Tritt. In zahllosen Märchen und Erzählungen. Im höchsten tschechischen Gebirge gibt es wohl keinen Ort, wo der Rübezahl nicht wenigstens erwähnt wird. Er hat seine Statuen, Ausstellungen, er ist Begleiter auf Lehrpfaden und Gefährte auf Wanderungen und Spaziergängen, regelmäßig kommt er zu verschiedensten Volksfesten, ja sogar Biere, Straßen und Plätze sind nach ihm benannt.

Lust,  ihn mit eigenen Augen zu erblicken? Dann schauen Sie mal bei www.krkonose.eu/de rein – hier finden Sie die Lehrpfade, auf denen Sie der Rübezahl begleitet oder die Feste, auf denen er erscheint.

Quellen: Riesengebirgsmuseum der Verwaltung des KRNAP, das Buch von Jaromír Jech „Krakonoš“, das Buch von Marie Kubátová „Tucet Krakonošových pobočníků“. Verarbeitung: Hana Nýdrlová, Dáša Palátková, Alena Cejnarová.

Förster, Rübezahl und Hantsche