Hanče und ein magischer Knopf

Einmal fand Hantsche beim Reinemachen auf dem Fußboden unter dem Küchentisch einen Knopf. Nicht irgendeinen Knopf – der war so groß, wie ihr Handteller. Wie kam der denn hier her? Hantsche schüttelte ungläubig den Kopf. Dann fiel ihr ein: So ein Knopf passt nur zu einem einzigen Mantel! Einem Mantel – grün wie der Wald und umrahmt von einem mächtigen grauen Bart.

HantscheHantsche lächelte. Sie warf einen Blick auf die Uhr. Sie muss doch Vojtischek aus dem Kindergarten abholen. Als sie über den Hof lief, dachte sie. Vojtischek braucht dringend eine Spielecke. Schwups – sprang der Knopf aus der Manteltasche. Er kullerte und kullerte und wo er liegen blieb, wuchsen im Nu eine Schaukel und ein Klettergerüst aus dem Boden.

Das wiederum entging nicht dem scharfen Blick des Eichelhähers, dieses Tausendsassas. Der petzte das Wunder sofort dem Bürgermeister, der aber hielt das alles nur für einen dummen Witz. Trotzdem ging ihm die Sache nicht aus dem Kopf.

Am nächsten Tag lud er Hantsche ins Rathaus vor. Lange drehte und wendete er den‚ Wunderknopf‘ in den Fingern. Dann lud er Hantsche zu einem Stadtbummel ein. Hier könnten die Kinder im Winter Skifahren lernen, meinte Hantsche bei der Wiese am Rande der Skipiste.

Als hätte der Knopf Ohren, hüpfte er Hantsche wieder aus der Tasche und rollte in großem Bogen zum Hang. Im Nu stand dort eine Skischule mit Zauberteppich.

Hantsche‘s Wunder beobachteten Dutzende verdutzte Einheimische und Touristen. Unter anderem auch ein garstiger Junge. Während Hantsche noch mit dem Bürgermeister sprach, trat er unauffällig auf den Knopf, steckte ihn ein und rannte schnell nach Hause. Er schloss sich in seinem Zimmer ein, drehte und wendete den Knopf in alle Richtungen und versuchte einen Motorschlitten herbeizuzaubern.

Aber es tat sich nichts. Er fing an zu drohen, zu bitten, ja zu betteln. Nichts. Er glaubte, unbeobachtet zu sein, aber da hatte er die Rechnung ohne den Eichelhäher gemacht. Der machte ein Foto mit dem Handy und schickte es seinen Eltern. Der erboste Vater nahm sich den Jungen ordentlich vor und schimpfte: Wie oft muss ich dir noch sagen, dass man nicht stiehlt! Gib Hantsche sofort den Knopf zurück und entschuldige dich bei ihr!

ZauberknopfUnd das tat er dann auch. Seither passt Hantsche gut auf den Knopf auf. Hier und da hilft sie den Bürgermeistern in den Gebirgs- und Vorgebirgsorten Märchenwege oder Lehrpfade zu Burgen, Schlössern und Heilbädern oder auch hübsche Attraktionen für Jahrmärkte und Feste zu bauen.

Dazu schafft sie es auch noch, Heilpflanzen auf den Riesengebirgswiesen zu sammeln. Hin und wieder überrascht sie der Rübezahl mit einem Korb voller Pilze und der Frage: Wie wär‘s, wenn du heute Abend Sauersuppe kochen würdest?

Fröhlich geht es dann wieder mit Vojtischek nach Hause, inmitten einer lustigen Kinderschar, die sich schon auf das nächste Wunder freut, mit dem sie die liebe, bezopfte Hantsche überrascht.