Waldherr, Teufel und Gaunerchen

Der Förster ist immerzu in Eile. Sommers radelt er durchs Revier, aber winters, wenn tiefer Schnee liegt, ist alles schwieriger. Da bräuchte er SiebenmeilenskiER, um alles zu schaffen. Er kümmert sich um die Lehrpfade und geschützten Orte in der Natur. Er markiert Wanderwege, Skipisten und Loipen. Er bestimmt, wo Informationstafeln stehen sollen und wo Rastplätze nötig sind. Deshalb ist er nicht nur auf den Kämmen des Riesengebirges, sondern auch in den Hainen des Riesengebirgsvorlandes zu erblicken.

Die größten Sorgen bereiten ihm die Rüpel. Keine Ahnung, von wem die Rede ist? Na von den Strolchen, die überall unterwegs ihre Plastikflaschen und Kekspackungen wegwerfen! Die über geschützte Wiesen trampeln. Die Quellen und Bäche verunreinigen. Die mit ihren Enduros und Quads brutal durch die Wäldern rasen. Die Karten und Informationstafeln bemalen und besprayen.

FörsterSchuld an allem ist der Riesengebirgsteufel, der schon jahrelang neidisch Rübezahl‘s Gärtchen im Riesengrund mustert. Namentlich im Frühling, wenn die seltene Küchenschelle blüht. Er will sie haben – um jeden Preis! Er hat schon alle möglichen Tricks und Teufeleien ausprobiert, aber die seltenen Pflänzchen ist einfach nicht ranzukommen.

Letztendlich kam der Neider aber zum Schluss – wenn ich die ersehnten Pflänzchen nicht haben kann, dann mache ich dem Rübezahl wenigstens die Hölle heiß. Mitten in der Nacht klapperte alle Bergbaude ab. Dort flüstert er den Schläfern alle möglichen Lumpereien ins Ohr. Am Morgen wachen diese dann als Rüpel auf. Je mehr Schaden sie in der Natur anrichteten, um so tiefer traf es den Rübezahl. Und der Teufel rieb sich die Hände.

Der Förster bemühte sich nach Kräften, den Rüpeln auf die Schliche zu kommen. Auch der Eichelhäher half, so gut er konnte und meldete, wo sie gerade wüteten. Per GPS meldete er ihre Position den Naturschützern. Aber alle Bemühungen halfen wenig – die Rüpel waren obenauf.

Bis der Förster eine Idee hatte. Warum jage ich eigentlich die Strolche, wenn jemand ganz anders hinter all dem Argen steckt? Und so lauerte eines Tages dem Teufel selbst auf. Er fesselte ihn mit Ketten und schmiedete ihn in einer Felsnische an.

Gerade war der Rübezahl hoch oben auf einem Kammweg unterwegs. Als er sich den Sternenhimmel ansah, stolperte er über einen großen Felsbrocken. Dieser rollte krachend den Hang hinab und blieb genau vor die Felsnische liegen und serrte den Teufel ein.

Seither nehmen die Strolche in den Bergen und im Vorland von Jahr zu Jahr ab. Nur die Hartgesottensten sind noch übrig. Aber mit denen weiß sich der Herr Förster auch Rat. Keiner entwischt ihm – schon deswegen nicht, weil ihm der Rübezahl für den Winter superschnelle Langlaufski mit Sturmdüsen beschafft hat.

Und der gefangene Höllenbraten? Der speit im Felsen Gift und Galle – äh, Feuer, deshalb heißt der Felsen ja auch Teufelsfelsen. Die Stelle ist gut daran erkennen, dass sich im umliegenden Heidelbeerkraut auch bei tiefsten Frost weder Eis noch Schnee hält.