Riesengebirgische Geschichten

Wie sie sich kennen lernten

Hantsche lebte in einem anmutigen Städtchen an der Grenze zwischen Riesengebirge und Riesengebirgsvorland. Als ihr kleiner Vojtischek geboren wurde, war sie die glücklichste Mutti weit und breit. Als dann aus dem Baby ein plapperndes Krabbelkind wurde, war die Zeit für die Gute-Nacht-Märchen gekommen. Am meisten gefielen Vojtischek die vom Rübezahl. Dann zog er Mama an den Zöpfen und bettelte: Rübesal, Rübesal! Später setzte er sich gar in den Kopf, dass er ihn sehen will. Er bettelte jeden Tag und ließ einfach nicht locker.

Krakonoš a přáteléUnd so machten sie sich eines Tages gemeinsam in die Berge auf. Papa, der sich um die Seilbahn am Schüsselberg kümmerte, beförderte sie bis zur Bergstation hinauf. Dort legte Hantsche das Söhnchen in einen Fahrradanhänger und schwang sich selbst in den Sattel ihres Mountainbikes. Und strampelte los, an den Wegkreuzungen bog sie mal links, mal rechts ab. Unterwegs fragte sie immer wieder vorbeikommende Wanderer, aber keiner wusste, wo der Rübezahl zu finden ist. Ordentlich durchgerüttelt und müde vom Weg schlief Vojtischek letztendlich ein.

Es war schon später Nachmittag, als Hantsche auf der Goldhöhe ankam. Hier blickte sie sich nach Luft ringend um – und wen erblickt sie da? Der Herr Förster, freute sie sich! Wer sollte es denn wissen, wenn nicht der Förster! Aber der Förster runzelte die Stirn: Der Rübezahl ist wie der Wind. Einmal ein sanft es Lüftchen, andermal ein ordentlicher Sturm. Niemand weiß, wann und wo er auftaucht.

Und wie zur Bestätigung blies eine heftige Bö durch die Wipfel. Für einen Moment waren der Förster und Hantsche wie blind. Als sie sich die Augen rieben, stand er leibhaftig vor ihnen: Bärtig, stattlich, mit der unvermeidlichen langen Pfeife in der Hand. In der anderen hielt er den Stock – groß, wie eine junge Fichte. Und wie gerufen kam auch der Eichelhäher geflogen.

Der Rübezahl streichelte sich den Bart und sprach: Nun, da haben wir uns im rechten Moment getroffen! Denn immer mehr Menschen kommen in unsere Gegend. Wollt ihr, dass sie sich an der Natur erfreuen, ohne ihr zu schaden? Und dass sie unsere hübschen Städte und Dörfer bewundern? Ohne zu zögern, stimmten der Förster und Hantsche zu. Und auch der Eichelhäher schlug fröhlich mit den Flügeln dazu.

Der gute Geist und Herrscher der Berge und des Vorgebirges nickte mit dem Kopf: Gut, dann mache ich euch zu meinen Gehilfen! Und begann auch gleich zu bestimmen, wer sich um was zu kümmern hat. Dem Eichelhäher gab er sein Handy und Tablet. Dazu noch einen Sender mit Wolkenreichweite. Der Herr Förster bekam ein Mountainbike, Schneeschuhe und Skier.

Zuguterletzt wendete sich Rübezahl Hantsche zu. Du hast ja jetzt alle Hände voll mit deinem Sprössling zu tun. Aber wenn er etwas größer ist, dann bekommst du auch etwas. Dann streichelte er noch den verblüfft blinzelnden Vojtischek und schwang seinen breiten Hut mit dem Vogelbeerzweig. Hantsche wurde es auf einmal ganz schwindlig. Als sie erwachte, war sie wieder daheim. Und Vojtischek plapperte unentwegt: Opa, Rübesal!

Im gleichen Augenblick stand der Rübezahl auf dem Gipfel der Schneekoppe und sah sich sein Revier an. Zufrieden mit dem verflossenen Tag, hatte er doch drei treue Mitarbeiter für seine Mission gewonnen.